Kita Kapelle Berlin-Friedrichsfelde

MACHBARKEITSSTUDIE
Umnutzung der alten Friedhofskapelle in Berlin-Friedrichsfelde
zu einer Kita

Alles ist Wandel…

 

Mikrolage
Das Grundstück liegt im Ortsteil Friedrichsfelde direkt an der Rummelsburger Straße. Die Rummelsburger Straße ist eine begrünte, gut ausgebaute Verbindung von der Sewanstraße im Westen bis zum Tierpark im Osten. Die nähere Umgebung ist durch überwiegend 4-geschossige Wohnquartiere unterschiedlichen Alters geprägt.
Im Süden schließt sich ein ehemaliger Städtischer Friedhof mit ausgedehnten Grünflächen an.

Bestand
Das etwa 593 m² große Grundstück war Bestandteill des 1892 eröffneten und bis 1971 genutzten städtischen Friedhofs. Die Fläche ist mit einem als Friedhofskapelle errichteten massiven eingeschossigen Backsteingebäude bebaut. Die Grundfläche beträgt etwa 130 m². Im Innenraum der Kapelle befinden sich die Feierhalle mit etwa 90 m² und Sozialräume mit etwa 40 m² Grundfläche. Das Gebäude ist vollunterkellert.

Konzept
Das nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude stand zum Abbruch frei. Unsere Untersuchung zielt darauf ab, das zauberhafte Gebäude mit seinen charmanten Details weitestgehend zu erhalten.
Die Idee besteht darin, das hoch aus dem Erdreich ragende und gut belichtete Souterraingeschoss nutzbar zu machen und das baufällige Dach durch eine Flachdachkonstruktion und Dachterrasse zu ersetzen. Die durchgehende Erschließung und Verbindung aller Ebenen vom Souterrain bis ins Dachgeschoss erfolgt über eine außen angestellte wetterfeste Treppenkonstruktion, der zweite Fluchtweg erfolgt innerhalb des Gebäudes, vom Dach führt eine Notrutsche in den Garten.
Die vorgegebenen Räumlichkeiten werden wie vorgefunden genutzt, so dass das Gebäude an sich wie auch der frühere Kapellenraum weiterhin erlebbar bleibt. Es entsteht eine funktionale, vielschichtige und einmalige Kindertagesstätte mit hohem Indentifikationswert in der Berliner Kita-Landschaft.

 


Bauherr
 Bildung bewegt e.V. Berlin

 

TugendBildungsHaus in der Glanzfilmfabrik Köpenick

UMBAU DES VERWALTUNGSBAUS DER GLANZFILMFABRIK
Machbarkeitsstudie zur Umnutzung für eine Kita und Grundschule

„Marlene Dietrich war auch schon da…“
Jeder Film, der das Werk je verlassen hatte, trug das Potenzial in sich, nach der Belichtung berühmt oder auch ganz privat als Kleinod aufbewahrt zu werden. Zum Ruhme gelangte sicher jenes Filmmaterial, das mit den Filmgrößen der 20er-Jahre in Berührung kam. Diese Glanzlichter des deutschen Filmes waren auch oft selbst auf dem Gelände anzutreffen, wenn sie im angeschlossenen Schnittstudio Ihre Filme abnahmen.

 

 

Die Historie des Gebäudes

Neben der Rummelsburger Agfa war noch eine zweite Berliner Firma als Produzent von Filmen für Fotographie und Kino tätig: die Fotochemischen Werke Köpenick.

1923 wurde in Berlin-Köpenick zwischen Friedrichshagener Straße und Spree ein fotochemisches Werk unter der Bezeichnung Glanzfilm AG Köpenick gegründet. Das war ein Tochterunternehmen des Kunstseideproduzenten Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG aus Elberfeld (heute Ortsteil von Wuppertal). Da diese Firma über mehrere Jahre mit Verlust arbeitete, wurde sie 1927 an den US-amerikanischen Fotokonzern Kodak verkauft und agierte fortan als Kodak AG, Werk Köpenick.

Hergestellt wurden Filme für die Schwarz-Weiß-Fotografie und Röntgenfilme sowie die dazu notwendigen chemischen Verarbeitungsmaterialien.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Köpenicker Kodakwerke 1941 als Feindvermögen von den Nazis beschlagnahmt. Auch nach Kriegsende erhielten die Amerikaner ihr Werk nicht zurück, da es nun im sowjetischen Machtbereich lag. Es wurde noch einige Jahre unter der Bezeichnung Kodak AG Filmfabrik Köpenick in Verwaltung weitergeführt.

Ab 1956 firmierte man dann unter der Bezeichnung VEB Fotochemische Werke Köpenick, kurz FCW. Es wurden Röntgenfilme, Schwarz-Weiß-Filme, Fotopapier und Fotochemikalien produziert.

Nach der deutschen Wiedervereinigung erhielt Kodak seine Köpenicker Filmfabrik 1992 zurück, 51 Jahre nach der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten. Aber die Entwicklung der Digitaltechnik für Fotografie und Film führte schnell zur Schließung des Werkes mit Ausnahme einer kleinen Abteilung für Röntgenfilme (X-ray-Retina).

Die Konversion

Zur Zeit entsteht auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Fotochemischen Werke Köpenick in der Friedrichshagener Straße 9 eine Wohnanlage unter teilweiser Nutzung der Fabrikgebäude aus den 20er Jahren. Vermarktet werden die Immobilien unter der Bezeichnung Glanzfilmfabrik, dem ersten Namen dieses alten Produktionsstandorts, größtenteils als Wohnungsbau.

Dem Vorstanbdshaus muss mit besonderer Sorgfalt begegnet werden, denn es ist bis auf wenige Eingriffe sowohl von innen als auch von außen in seinem ursprünglichen zusatnd erhalten geblieben.

Unsere Machbarkeitsstudie untersucht eine Umnutzung zu einer Grundschule und Kindertagesstätte. Das Ergebnis ist erfreulich: Das Gebäude kann mit nur wenigen zarten Eingriffen optimal für das aufgestellte Raumprogramm angepasst werden!

Das Erdgeschoss wird dem Kita-Unter3-Bereich, sowie der Kita-Leitung zugeteilt, im 1. Obergeschoss findet der Kita-Über3-Bereich Platz.
Das 2. und 3. Obergeschoss stehen der Grundschule zur Verfügung, dabei nehmen die Klassenräume das 3. OG, die Fachräume und der große Bewegungsraum das 4. OG ein.
im 3. OG wird auch das Restaurant etabliert, die Küche findet in dem großzügigen Souterrain neben Lager- und Technikflächen Raum.

 


Bauherr
 Bildung bewegt e.V. Berlin
 Sandra Klünder

 

Farbkonzept Pfingstkirche

FARBKONZEPT FÜR DIE EVANGELISCHE PFINGSTKIRCHE BERLIN-FRIEDRICHSHAIN AM PETERSBURGER PLATZ
Studie zur farblichen Überarbeitung von Teilbereichen eines Baudenkmals

Die Portalhalle
Die z.T. sehr lebhaften und farbenfrohen freigelegten historischen Ausmalungen sollen sichtbar bleiben und sind daher Ausgangspunkt für eine temporäre und reversible Farbfassung mit Leimfarbe und Naturpigmenten.

Die Pfingstkirche

Das sakrale Gebäude wurde nach Plänen der Architekten Jürgen Kröger und Gustav Werner gebaut. Sie hatten ein Kirchengebäude in spätgotischen Formen, angelehnt an den Flamboyant-Stil, entworfen. Die Grundsteinlegung erfolgte 1906, am 28. Juni 1908 konnte die Pfingstkirche eingeweiht werden.

Die Kirche ist bündig in die Häuserfront des Platzes eingefügt. Der aus einer dreigeteilten offenen Portalhalle bestehende Eingangsbereich befindet sich an der zum Platz weisenden Seite. Darüber schmückt eine mit MaßwerkDekor zusammengehaltene Dreifenstergruppe in einem Staffelgiebel das Bauwerk.

Das Hauptschiff des Kirchengebäudes erlitt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schwerste Beschädigungen durch Bomben- und Granatentreffer. Auch der Turm wurde beschädigt, so dass beide Bauteile erst um 1950 wieder repariert werden konnten. Die Innenausstattung ging durch Diebstahl und Vandalismus teilweise verloren. Das ursprüngliche Kirchenschiff besaß Strebepfeiler, die bei der Wiederherstellung vereinfacht wurden. Nach den Renovierungsarbeiten wurde die Kirche 1950 von Bischof Otto Dibelius neu geweiht.

Im Jahr 2005 begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten an und in der Kirche sowie am Turm, der durch vorsichtiges Abtragen und neues Aufmauern wieder stabilisiert wurde.

Der Kirchenraum selbst ist von einem Netzgewölbe überspannt und bietet bis zu 1.000 Personen Platz. Er besitzt einen fensterlosen Chor. Im Choransatz sind Reste der ursprünglichen Ausmalung erhalten, sie zeigen Petrus und Paulus. Bis zur Zerstörung des Kirchenschiffes im Weltkrieg befand sich hinter dem Altar eine Orgel mit Holzpaneelen. Die zerstörte Altarwand wurde bei der Wiederherstellung durch eine glatte Wand ersetzt. Links und rechts des Altarkreuzes konnten 1999 neue Gemälde angebracht werden, die Kopien zweier Tafeln des Schneeberger Cranach-Altars aus der St.- Wolfgangs-Kirche sind. Die Bilder sind eine Dauerleihgabe der dortigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde und stellen Jesu Gefangennahme im Garten Gethsemane und die Auferstehung am Ostermorgen dar.

Im Zuge umfangreicher Instandhaltungsmaßnahmen sollen nun die Innenräume sukzessive neue Farbanstriche erhalten. Hierzu wird ein Farbkonzept entwickelt, das insbesondere denkmalpflegerischen Gesichtspunkten gerecht werden will.

In einem ersten Schritt werden Möglichkeiten zur Farbfassung der Portalhalle untersucht. Die Empfehlung geht zum Farbton „Umbra Grünlich dunkel“.

Das Turmzimmer

Wand- und Deckenflächen
Kreide-, Leim- oder Silikatfarbe wie Bestand ggf. als Lasur (nach Untersuchung und Empfehlung durch Malerfachbetrieb) Farbton Limone.

Sockelfüllungen
Latexfarbe abwaschbar, mittlerer Glanzgrad (nach Untersuchung und Empfehlung durch Malerfachbetrieb) Farbton Provencegrü.
Sockelrahmen
Holz im Bestand auffrischen mit Lasurlack Fehlstellen im Farbton nachmischen und als deckende Lackfarbe auf die Wand aufbringen.

Möbel
Dunkle wertige Holzmöbel im Bestand belassen, einfache Tisch- und Stuhlmöbel mit Mattlack beschichten Birkengrün und/oder
Erbsengrün.

 

Kirchenbau
 1905-08, Kröger + Werner
Farbkonzept Portalhalle
 Katharina Jester, Juli 2013
Farbkonzept Turmzimmer
 Katharina Jester, Oktober 2013

Gedenkstätte Ahlem, Hannover

WETTBEWERB 2011, 2. PREIS
Mitarbeit POLA Landschaftsarchitekten, Berlin
mit AFF-Architekten Berlin

Das Leitthema des Entwurfes sucht seine Quellen in der unfassbaren Verkehrung des Ortes. Wichtig erscheint uns eine Gedenkstätte zu etablieren, welche sich gleichermaßen informativ und gegenwärtig darstellt. Gedenken soll nicht an einem Monument als starres Abbild der Zeit erfolgen, sondern immer wieder Gedächtnisarbeit erfordern. Mit dem transitorischen Moment des Wandels der Kulturpflanzen ändert sich das Bild der Gedenkstätte und erfordert eine fortlaufende Neupositionierung. Das Wahrnehmen des Bildes einer Gartenbauschule adaptiert sich im Besonderen mit dem Wechsel der Jahreszeiten. Im Gegenzug steht die Verkehrung des Ortes in seiner Entfremdung als Verwaltung der Shoa. Damit greift der Entwurf die unterschiedlichen Erlebnis- und Erzählebenen im direkten Bezug zur wechselvollen Geschichte der Israelitischen Gartenbauschule auf.

Das Direktorenhaus wird von einem Obsthain mit Spalierobst umgeben. Alle Obstbäume wachsen an Rankgerüsten im strengen Erziehungsschnitt. Hier tritt das aktive Gedenken durch die ständige fachliche Pflege der Spaliergehölze gleichrangig neben eine Züchtungs- und Kultivierungsarbeit des Gartenbaus. Beide bedingen sich und prägen das Bild und die Zukunft des Gartens.
Die Rankgerüste sind nicht nur Stütze des kultivierten Wachstums sondern auch Träger der Opfernamen. Die Entwicklung, das Wachsen das Blühen und vergehen der Gehölze steht als Synonym für die Personen die hier arbeiteten, lernten, wohnten, deportiert wurden und starben.
Der Besucher betritt diesen Hain an unterschiedlichen Zugängen, von der Tramstation und der Zuwegung vom Parkplatz. Als Weg der Transformation vom Alltäglichen zu einem Einfühlen in die Geschichte des Ortes wird er zum Eingang des Direktorenhause geleitet. Die Wege zwischen den Gärten der Spaliergehölze knüpfen an die Wegeführung des parkähnlichen Gartens an und Verbinden beide Teile miteinander auf sinnfällige Weise. Durch die Modellierung des Geländes ergibt sich ein ebenerdiger Zugang zum Direktorenhaus. Die Rankhilfen hingegen folgen streng einem vorgegebenen Niveau und variieren von 1,5 bis 3m. Je dichter der Besucher sich dem Eingang nähert um so mehr Weitblick gewinnt er über das Gelände. Ankommen und Eintreten werden somit zeitlich und örtlich ausgedehnt. Das Erleben und Hinterfragen von Gegenwart und Geschichte beginnt damit bereits im Freiraum.

Der Garten
Ausgehend von der ursprünglichen Anlage der Gemüsebeete des Schulgartens der ehemaligen Gartenbauschule und den vorhandenen Beeten nördlich der Justus-von-Liebig-Schule bildet sich eine gärtnerische Struktur um die Gedenkstätte und rückt diese in den Kontext der ehemaligen Gartenbauschule. Rankgerüste mit unterschiedlichen Spalierobst- und Ziergehölzen gliedern die Struktur. Schmale Wege für Pflege und Erkundungen der Einzelnen Gehölze und den Namen der Opfer auf den Rankgerüste führen um die mit Bodendeckern, niedrigen Stauden und Frühjahrsblühern bepflanzten Beete herum. Verschiedene Sorten von Obstgehölzen aus den verschiedensten Ursprungsländern werden an den Spalieren kultiviert und gepflegt. Chaenomelis japonica (Wilde Quitte), Sorbus domestica (Birne), Prunus cerasifera (Kirschpflaume) und Mespilus germanica (Mispel) und nur wenige zu nennen füllen die Rankgerüste mit Leben und Wachstum.
Der Grundriss der ehemaligen Laubhütte wird im Boden mittels farblich abgesetzten Kiesflächen nachgezeichnet. Dieser liegt eingebettet in der großen Rasenfläche. Eine gesonderte Erschließung vom Weg aus entfällt. Gleiches gilt für alle der sich im parkähnlichen Garten befindenden Denkmäler. Sie ordnen sich unprätentiös aber selbstbewusst mit ihren unterschiedlichen Aussagen dem Garten unter. Der Garten wird hier, wie am Direktorenhaus, Träger des Gedenkens.

Direktorenhaus
Als Zugang zum Direktorenhaus wird die Schnittstelle zur ehemaligen Bebauung gewählt.
Der Entwurf ordnet die Funktionen im Inneren in Anlehnung an die historische Struktur des Gebäudes. Die Veranstaltungsräume mit Gruppenraum, Bibliothek und der dazugehörigen Infrastruktur befinden sich im Erdgeschoss. Das 1.Geschoss mit seiner klaren Raumaufteilung, in dem sich die ehemalige Direktorenwohnung befand, wird mit dem Ausstellungsthema „Ahlem als Ort nationalsozialistischer Verfolgung“ neu belegt. Die kalte Verwaltung der Shoa steht im Mittelpunkt des gestalterischen Leitbildes. In den 3 Räumen die den Zeitzeugen gewidmet sind, kann sich der Besucher mit Einzelschicksalen an Medientischen zu unterschiedlichen Themen informieren. Die Wände werden von hohen Regalen mit Ordnern gefüllt bekleidet. Sie enthalten das Quell- und Arbeitsmaterial für die folgenden Räume der Reflektion. Hier kann im gemeinsamen Gespräch mit Zeitanalysen und Diskussionen eine Sichtweise über Opfer und Täter reflektiert werden. Alle Wände dieser Räume sollten als Pinnbord konzipiert sein. Damit entwickelt jede Besuchergruppe ein eigenes Abbild der Geschichtsrezeption aus den gesammelten Eindrücken. Ohne diese Diskussion und ohne diese Reflektion bleiben die Wände leer. Die Ausstellung fordert damit den Rezipienten bewusst zur aktiven Teilnahme auf und entlässt alle Besucher als aktive Mitgestalter des Gedenkortes.
Das 2. Geschoss, als Schlafsaal der ehemaligen Gartenbauschule, wird dem Ausstellungsthema „ Ahlem als Ort jüdischen Lebens, Lernens und Arbeitens“ gewidmet. Bewusst fällt die Wahl auf diesen Teil des Gebäudes, da seine frühere Offenheit am Besten das Gefühl der Gemeinschaft transportiert. Hier können die Besucher an unterschiedlichen Stationen informatives zu den Themenbereichen von 1893 bis 1933 erfahren. Die Präsentation soll dem Überblick in einer Werkstatt gleichen. Des Weiteren können Inhalte gemeinsam auf einem Podium reflektiert werden. Hier rahmt ein zusätzliches Fenster, als großformatiger Einschnitt in der Fassade des Gebäudes, den Ausblick auf den Ort und bezieht die Jahreszeiten in die Ausstellung ein.
Sonderausstellungen können im Kellergeschoss präsentiert werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit der Idee des Gedenkgartens wird sehr markant auf die Gedenkstätte und die israelitische Gartenbauschule Bezug genommen. Der Obsthain, mit den die Opfernamen tragenden Rankgerüsten, prägt das unmittelbare Umfeld des im äußeren Erscheinungsbildes nahezu unveränderten Direktorenhauses. Der westliche Teil des Freiraumes wird durch einen parkähnlichen Garten gebildet, dessen Wegeführung sich wie selbstverständlich mit den Wegen in den Spalierobstflächen verbindet.
Durch eine raffinierte Modellierung des Geländes in Verbindung mit den einheitlichen Oberkanten der Spaliere entstehen spannende Raumsituationen und Blickbeziehungen. Der Umgang mit den Gedenkelementen im Garten ist bewusst unprätentiös und angemessen. Die Grundstruktur des Gebäudes bleibt weitgehend erhalten und wird zur selbstverständlichen Grundlage für die räumliche Gliederung der Ausstellungsbereiche genutzt. Die minimalistische Haltung der Ausstellung wird Grundlage einer stark inhaltsbezogenen Auseinandersetzung und fordert den Besucher
zur Interaktivität heraus. Mit großer Konsequenz wird die kleinteilige Struktur der Direktorenwohnung dem Thema NS-Zeit gewidmet und als kalte Verwaltungsräume inszeniert. Der ehemalige Schlafsaal im 2. OG wird in seiner früheren Offenheit wieder hergestellt und passenderweise dem Thema der Geschichte der Gartenbauschule gewidmet. Hier wird durch ein neues großes Fenster der Bezug zum Gartenbaugelände
hergestellt. Die in der Auslobung geforderte gesamtheitliche Betrachtung wird in diesem Entwurf feinfühlig gelöst. Die Erstellungs- und Betriebskosten werden bezügliche des Gebäudes als im unteren Bereich liegend eingeschätzt. Die Kosten für die Gestaltung des Gebäudeumfelds (Gedenkhain) liegen im oberen Bereich.

Zeitzeichen Berlin-Charlottenburg

UMBAU EINER DENKMALGESCHÜTZTEN GRÜNDERZEITWOHNUNG
Neukonzipierung der Räume um einen besonderen Einbauschrank herum

Bruchstücke erzählen subtil die Geschichte eines Ortes.
Die Geschichte dieser Berliner Wohnung seit 1909. Materialien und Oberflächen, die verbaut waren, sind freilegt worden, werden erhalten wegen ihrer Schönheit und Ausstrahlung (nicht, weil sie denkmalwürdig sind).
Es sind wenige Fragmente (Wandbemalung, Dielen, Wandoberflächen, Stuck …), die Ausgangspunkt des Entwurfes werden. Sie sind naturgemäß rau, tragen die Spuren der Zeit.
Im Gegensatz zu diesen Relikten werden perfekte, glatte Flächen gestellt. Spannung entsteht, die Schönheit der Materialien wird durch deren Unterschiedlichkeit hervorgehoben.
Verbindendes von Alt und Neu ist die helle Farbgebung aller Materialien.
Kern, also Innerstes der Wohnung ist ein Möbel, das sich entlang des Rundlaufs erstreckt, ein starkes, verbindendes Element der Räume. Fein, aus dunklem Holz gearbeitet, steht es im Kontrast zu den sonst hellen Materialien.
Skulptural und funktional, modern und ein wenig mondän.

 

 

BÖDEN
Vorgefundene Dielen werden weiß gekälkt, Fugen geschlossen, Beschädigungen bleiben erhalten. Hellgraue, große fiberglasverstärkte Betonplatten in zwei Farbqualitäten ergänzen die fehlenden Böden. Farbige Teppiche setzen Akzente auf den kühlen Bodenflächen.

WÄNDE
werden teils lasiert, teils weiß gestrichen, vereinzelt bleiben sie (als Zeitzeichen) vollständig unverändert. Neu verlegte Installationen (unter Putz) werden bestehende Strukturen verändern und überlagern. Wände, Decken und Böden gliedern Räume, ordnen auch Räume einander zu oder schaffen Verbindungen über Räume hinweg. Der Stuck, als Teil der Hülle wird von Farbschichten freigelegt und behandelt wie die Wände.

TÜREN
Die drei Türen aus der Bauzeit des Hauses werden aufgearbeitet und weiß matt gestrichen. Beschläge werden ggf. umgebaut. Neue weiße Schiebetüren sitzen in den schlanken Öffnungen des Gästezimmers und der neuen, großen Öffnung zwischen Balkonzimmer und Wohnraum. Geöffnet verschwinden sie bündig in dem großen Einbauschrank.

FENSTER
Die gut intakten Kastenfenster werden aufgearbeitet, Außenfensterbänke werden erneuert. Küche und Bad erhalten moderne Holzfenster. Diese haben größere Glasflächen und schmale Profile, nehmen trotzdem Bezüge zu den bestehenden Fenstern der Fassade auf.
Eine neue, große Öffnung zur Aufhellung des „Berliner Zimmers“ wird axial zur Eingangstüre in der Brandwand als Festverglasung angelegt.

VERSCHATTUNG
Eine Außenliegende Verschattung, wie es sie einmal gab, ist nicht vorgesehen. Stattdessen werden innenliegende Rollos oder raumhohe, wallende Vorhänge vorgesehen.

SCHRANK
Ein großer, die tragende Mittelwand umschlingende Einbauschrank ist bestimmendes Element der Wohnung. Aus den an ihn gestellten Anforderungen entsteht eine sehr lebendige, teilweise dynamische Skulptur. Brüche sind gewollt und notwendig, so dass der Schrank in jedem einzelnen Raum unterschiedlich wirkt. Asiatisches Streifenholz – Makassar – die Maserrichtung des Furniers horizontal, verleiht der Wohnung Einzigartigkeit.

RAUMKONTINUUM
Der Wohnraum hat zwei Bereiche, die durch die Oberflächengestaltung spürbar differenziert werden. Bezüge wie Eingangstüre – neues Fenster oder Tisch – Arbeitsfläche Küche (beides derbe Eiche) oder die Reihe Wohnraum – Schlafen 1 – Balkon schaffen subtile räumliche Situationen und machen diesen Raum zum Dreh- und Angelpunkt der Wohnung.

KÜCHE
Ein Multidesk ergänzt die streng funktional, einseitig organisierte Küche. Es ist verschieblich (auf Schienen, feststellbar) zwischen der Frühstücks- und der Barposition und vielfältig nutzbar. Mit Hockern oder auf der Bank (Lederkissen) vor dem Fenster lässt es sich daran sitzen. Tischbeine gibt es hier nicht. Ausstattung der Küche: Kühl/Gefrierschrank, Herd/Ofen, Abzugshaube Umluft, Spüle 100cm, Spülmaschine.

BAD
Wandflächen der Dusche, Wanne und Waschbecken unterhalb der freigelegten Wandbemalung im Bad werden mit großen Tafeln (wie Boden) bekleidet. Die Badkeramik und Armaturen werden weiß / chrom, klar in der Form und ohne Schnörkel, Dusche bekommt einen textilen Vorhang.

FLUR
Aus dem Flur wird ein Raum, angemessener Auftakt der Wohnung. Zwei Achsen: die eine beginnt mit der Eingangstüre, die andere endet im Unendlichen der Spiegelschrank-Garderobe.