Bauernkriegsmuseum und Wiege Württembergs

MUSEALER AUSBAU DES HISTORISCHEN RATHAUSES BEUTELSBACH
Einrichtung von zwei Dauerausstellungen in Zusammenarbeit mit i_d buero und südstudio, Stuttgart

„Der Gerechtigkeit einen Beistand thun“
Bauernaufstand des Armen Konrad, 1514

Das Haus und die Museen

Die Stammburg der Württemberger auf dem Kappelberg über Beutelsbach markiert den Anfang der Geschichte des Landes und späteren Königreiches. Rund 500 Jahre später, im Jahr 1514, erschütterte der Beutelsbacher Bauernaufstand des „Armen Konrad“ das ganze Land.
Mit zwei neuen Museen erinnert die Stadt Weinstadt an die bedeutenden Ereignisse und macht Landesgeschichte in Verbindung mit Beutelsbacher Ortsgeschichte erlebbar. Die Museen sind eingerichtet im Württemberg-Haus Beutelsbach, das 1534 als Rathaus erbaut wurde und damit zu den ältesten württembergischen Dorfrathäusern zählt. 2013/2014 wurde das Haus umfassend saniert.

Erdgeschoss Museum Bauernkrieg

1514 begann und endete der württembergische Aufstand des „Armen Konrad“ hier in Beutelsbach. Der Aufstand, ausgelöst von neuen Verbrauchssteuern zum Nachteil der Bauern, gilt als der bedeutendste Vorläufer des großen Bauernkriegs 1525.
In einem freien Rhythmus vor der Wand werden Einbauten wie an einer Perlenkette aufgereiht platziert, die die verschiedenen Stationen vom Baueraufstand 1514 bis hin zum Bauernkrieg auf verschiedenen Ebenen – Texte, Exponatvitrinen, Grafikelemente – dokumentieren.

 

 

Obergeschoss Museum Wiege Württembergs

Auf einem Bergsporn über Beutelsbach, dem Kappelberg, stand einst wohl die Burg der Herren von Beutelsbach, bevor diese um 1080 eine neue Burg auf dem „Wirtenberg“ hoch über dem Neckartal errichteten und sich fortan nach dieser benannten. Das Museum Wiege Württembergs informiert u.a. anhand von Grabungsfunden über die Anfänge des württembergischen Königshauses hier in Beutelsbach und zeigt die weitere Entwicklung Beutelsbachs als württembergischer Hauptort auf.

 

Aufraggeber
 Bauernkriegsmueseum und Museum "Wiege Württembergs" in Weinstadt-Beutelsbach 
 Dr. Bernd Breyvogel, Stadtarchivar und Museumsleiter
Entwurf Ausstellungen
 i_d buero gmbh fur grafik und design
 südstudio, Hannes Bierkämper, Katharina Jester, Maria Murais
Sanierung Altes Rathaus
 Ceret Bozic Architekten, Stuttgart
Bauleitung
 südstudio, Hannes Bierkämper
Fertigstellung
 August 2015

Fotos 
 © Brigida Gonzalez, Stuttgart

Raum „Zeppelin“

THEMATISCHE GESTALTUNG DES BIERKELLERS DER LANDESVERTRETUNG VON BADEN-WÜRTTEMBERG IN BERLIN UNTER DEM STICHWORT „ZEPPELIN“
Überformung eines Gastraums in Zusammenarbeit mit
südstudio, Stuttgart

„Man muss nur wollen und dran glauben, dann wird es gelingen.“
Ferdinand Adolf Heinrich August Graf von Zeppelin

Ausgangspunkt

Der runde tageslichtfreie Raum im Untergeschoss wird schlecht angenommen. Grund hierfür sind 68 Sitzplätze an Tischen in relativ „stimmungsloser“ Umgebung. Die Lichtsituation als auch die Akustik sind unbefriedigend. Eine Nutzung des Angebots findet selten statt.

Die Idee

Der Ministerialdirektor des Hauses trat an die Planer mit der Idee heran, den Raum unter dem Stichwort „Zeppelin“ zu überformen. Nachdem ein überzeugender und umfassender Entwurf zur Transformation des Raumes vorgelegt wurde, entschied man bald, diesen in reduzierter Form unter Beibehaltung des vorhandenen Mobiliars und der hochwertigen Eiche-Täfer umzusetzen.
Der niedrig wirkende, drückende Raum erfährt durch seinen dunkelblauen Himmel nahezu Auflösung  ins Unendliche, darin unterstützend wirkt der vorhandene Sternenhimmel.

Die Umsetzung

Die vorhandenen Möbel erhalten neue Polster in dunkelgraublau, die Rücklehnen der sich an der Rundung der Wände entlang ziehenden Bänke werden in Analogie zu den neu angeschafften Lounge-Sesseln mit Lederpolsterrollen in derselben Farbe ausgestattet. Die vorhandene Möblierung wird um den großen überdimensionierten Konferenztisch erleichtert. Die vorhandenen Tische erhalten neue Tischplatten mit dunkelgraublauem Linoleum. Die Wandtäfer werden zum Rücken für eine Fotoausstellung historischer Aufnahmen – grafisch aufgearbeitet – rund um das Thema „Zeppelin“. In den vorhandenen Vitrinen werden Fundstücke rund um das Thema Zeppelin ausgestellt und ins rechte Licht gerückt. Als sprichwörtliches Highlight schweben 25 Leuchtringe wie Flugobjekte durch den Raum und bringen atmosphärische Lichtstimmungen hinein.

Rückbau des ungenutzten Bartresens

Der überdimensionierte Bartresen wird zugunsten von mobilen und flexibel einsetzbaren Serviermodulen ersetzt. Diese entsprechen in ihrer Größe und Funktion den Serviermodulen im Foyer des EG, werden jedoch in ihrer Oberflächenbeschaffenheit der Ausstattung der zukünftigen Zeppelinklause angepasst. (siehe Grundrissvarianten)
–  Diese Maßnahme halten wir aus gestalterischer Sicht für eine große Aufwertung
–  Aus Nutzersicht ist die Maßnahme logistisch äußerst sinnvoll und praktikabel
–  Die flexible Anordnung der Serviermodule erlaubt diverse Möblierungsvarianten
– Der Rückbau des Bartresens schafft Raum für eine stimmungsvolle Loungemöblierung mit neu   anzuschaffenden hochwertigen Ledersesseln und Beistelltischen.

 

Aufraggeber
 Landesvertretung von Baden-Württemberg in Berlin
Entwurf
 südstudio, Hannes Bierkämper, Katharina Jester, Alexander Lang
Bauleitung
 Christian Lubkowitz
Fertigstellung
 Mai 2014

Fotos
 © Brigida Gonzalez, Stuttgart

1914 – Mitten in Europa

 

ZENTRALE AUSSTELLUNG INNERHALB DES GESAMTPROJEKTES »1914 – MITTEN IN EUROPA«
in der Mischanlage der Kokerei Zollverein, Essen 2014
Wettbewerbsbeitrag

„Die zwei blauen Augen von meinem Schatz,
Die haben mich in die weite Welt geschickt.
Da mußt ich Abschied nehmen vom allerliebsten Platz!
O Augen blau, warum habt ihr mich angeblickt? …“ 
Gustav Mahler

 

 

 

 

Museum für Naturkunde Karlsruhe

FORM UND FUNKTION – VORBILD NATUR
Wettbewerb in Zusammenarbeit mit südstudio

Prolog und 6 Kapitel
Die vorgefundene räumliche Konfiguration im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe erscheint uns für die Inszenierung des Ausstellungsthemas eine sehr spannende Raumkonstellation. Durch die vorgegebene Gliederung der zwei sehr unterschiedlichen Raumvolumina liegt eine dementsprechend inhaltliche Gliederung sehr nahe. So bietet die Abfolge vom kleineren Ecksaal zum großem Hauptsaal die Chance, einerseits inhaltlich in das Thema der Ausstellung einzuführen (Prolog) und andrererseits die Thematiken im weiteren Verlauf des Rundgangs zu vertiefen (Ausstellung in 6 Kapiteln).

Der Prolog

Das Ausstellungsthema erfährt in diesem Raum eine thematische Einführung. Die Metapher des „Urknalls“ aufnehmend, befindet sich im Zentrum eine raumgreifende Installation. Wie in einer Momentaufnahme der Geschichte, werden hier die verschiedenen Aspekte des Ausstellungsthemas aufgegriffen und kaleidoskopartig aufgeblättert. Diese räumliche Figur ermöglicht den Besuchern das Eintauchen in alle Facetten der Thematik.

Die Ausstellung in 6 Kapiteln

Der große Ausstellungssaal schafft Raum für die 6 Schwerpunktthemen, die das Metathema Form und Funktion – Vorbild Natur inhaltlich vorgeben. Die Themen erfahren keine scharfe Abgrenzung gegeneinander, sondern sind inhaltlich eng miteinander verknüpft. Diese nähe zueinander spiegelt sich räumlich wieder. Die Ausstellungsarchitektur ist als fließender Raum angelegt. Es gibt keinen festgelegten Rundgang.

Wegführung

Für ein spannendes Ausstellungserlebnis ist ein Ausstellungsrundgang anzustreben. In der räumlichen Anordnung der beiden Ausstellungsräume ist ein solcher Rundgang nicht selbstverständlich strukturell angelegt. Ein solcher Rundgang sollte inhaltlich determiniert seine räumliche Entsprechung finden. Gleichzeitig schließt sich eine Einteilung der Ausstellungsräume in feste Kabinette, denen die Einzelthemen gewidmet wären, aus unserer Sicht aus. Vielmehr sind wir der Meinung, das ein Raumkontinuum erzeugt werden sollte, dass den Besuchern ein „freies“ Bewegen ermöglicht. Damit ist eine inhaltliche „Gleichzeitigkeit“ der Einzelthemen möglich und erfahrbar.

Raum- und Themenzuordnung

Die vorgefundene räumliche Konfiguration erscheint uns für die Inszenierung des Ausstellungsthemas als eine sehr spannende Raumkonstellation. Die Gliederung in zwei sehr unterschiedliche Raumvolumen, macht eine entsprechend inhaltliche Gliederung sehr naheliegend. So bietet die räumliche Abfolge von kleinerem Ecksaal und großem Hauptsaal die Chance, zum einen inhaltlich in das Thema der Ausstellung einzuführen (Prolog) und zum anderen die Thematiken dann im weiteren Verlauf des Rundgangs zu vertiefen (Ausstellung in 6 Kapiteln).

Konstruktion, Material, Form und Farbe

In Analogie zu einer Reihe von Vorbildern aus der Natur, haben wir uns für die rippenartige Auskleidung des großen Ausstellungssaals entschieden.
Die Struktur besteht aus sehr einfach zu fertigenden Flächenmodulen aus Plattenwerkstoff, die im Abstand von ca. 75cm angeordnet werden. Der Fussboden bleibt dabei dennoch völlig frei von Schwellen. Bodengrafik, sowie die Anordnung div. Ausstellungshilfsmittel, wie Vitrinen, Medienmodule etc. werden die Rippenstruktur optisch fortsetzen.
Die Rippenmodule erzeugen zum einen ein großes Raumkontinuum und schaffen gleichzeitig sehr große Gestaltungsspielräume. So werden Zwischenräume zu kleinen Ausstellungs- und Didaktikeinheiten. Bereiche die „hinter“ den Rippenmodulen liegen, werden zu kleinen Ausstellungskabinetten. Platz für die Aufstellung von möglicherweise Terrarien, Vitrinen etc.
Im weiteren bietet die Rippenstruktur eine sehr elegante Möglichkeit, die notwendigen Technikkomponenten in den Rippenzwischenräumen zu platzieren und so fast unsichtbar zu machen.
Farblich werden die Module keine „Eigenfarbe“ aufweisen, sondern sich weiss gegen einen eher dunkleren Untergrund (Bestandsraum) absetzten.

Wettbewerb
 Juni 2012
Team
 Hannes Bierkämper, Katharina Jester, Alexander Lang

Museum für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg

GESTALTUNG UND PRODUKTION DER NEUEN DAUERAUSSSTELLUNG IM EHEMALIGEN DIENSTSITZ DES DDR-MINISTERS FÜR STAATSSICHERHEIT ERICH MIELKE
Wettbewerb in Zusammenarbeit mit südstudio, Stuttgart

Das erste Exponat der Dauerausstellung ist der Gebäudekomplex der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit in der Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg selbst.

 

Haus Nr. 1
mit seiner größtenteils erhaltenen Struktur und Einrichtung bildet den idealen Ort und Kontext für die geplante Einrichtung der Dauerausstellung. Das Haus strahlt als Ganzes, aber auch in vielen seiner Details aus, für welche Funktion es errichtet wurde:
Der zentrale Eingang im Mittelrisalit. Das zentral angeordnete Büro der Führungsperson im 2. Obergeschoss. Die massiven Doppeltüren um jedes Mithören zu unterbinden. Die hinter harmlosen Wandschranktüren aus Holz verborgenen Metallschränke für Akten. Aber auch seine vermutlich über die Zeit vorgenommenen baulichen Veränderungen sind Spiegel der Funktionen und ihrer Machthaber jener Zeit.

So wurde die Eingangssituation/Vorfahrt so überbaut, dass aus den umliegenden Gebäuden nicht mehr verfolgt werden konnte, wer das Gebäude betritt und verlässt. Das Gebäude Haus Nr. 1 sowie der gesamte Komplex sind somit für uns im Heute „sprechende Zeugen“ des Apparats der Staatssicherheit in der ehemaligen DDR.

Formal
sieht das Gestaltungskonzept für die beiden Ebenen 1.OG und 3.OG autarke Ausstellungsmodule vor, die durch ihre Abmessungen und Ausdifferenzierung auf die inhaltlichen Anforderungen in Hinblick auf die Exponate, Texte, Medien etc. reagieren und so Bezug nehmen.
Einem Baukastensystem gleich werden verschiedene Grundelemente immer wieder zu neuen Gesamtkonfigurationen zusammengestellt, die der jeweiligen Raumgrundlage und den Inhalten gerecht werden. Alle Elemente eines Moduls falten sich scheinbar aus der Grundplatte in eine bestimmte Richtung, oder docken dort entsprechend an. Ein Stelenelement als Biografiestele, Pult- / und Wandvitrine, Textelement, Bildelement, Rahmenelement etc.

So wird ein von der umgebenden Raumstatik und Struktur unabhängiges Raummodul erzeugt. Die Module heben sich formalästhetisch deutlich vom bestehenden Raum ab und sind für die Besucher als eigenständige Ebene erkennbar, ohne dabei eine optische Verbindung mit dem Bestand einzugehen. Medien in Form von Film und Ton werden dort zum Einsatz gebracht, wo es die Inhalte erfordern.

Im Außenbereich, sowie dem Foyer im EG, sind Adaptionen des Ausstellungsmoduls konzipiert.
In sehr viel kleinerer Form könnten solche Ausstellungsmodule dann im 2.OG als Kommentierungsebene wiederkehren.

Wettbewerb 2012 
 südstudio
Konzept und Entwurf 
 Hannes Bierkämper, Katharina Jester, Alexander Lang