Alter Fries

Zeitzeichen Berlin-Charlottenburg

Projekte, Innenarchitektur, Umbau, Sanierung, Möbel, Ausbau, Denkmal

UMBAU EINER DENKMALGESCHÜTZTEN GRÜNDERZEITWOHNUNG
Neukonzipierung der Räume um einen besonderen Einbauschrank herum

Bruchstücke erzählen subtil die Geschichte eines Ortes.
Die Geschichte dieser Berliner Wohnung seit 1909. Materialien und Oberflächen, die verbaut waren, sind freilegt worden, werden erhalten wegen ihrer Schönheit und Ausstrahlung (nicht, weil sie denkmalwürdig sind).
Es sind wenige Fragmente (Wandbemalung, Dielen, Wandoberflächen, Stuck …), die Ausgangspunkt des Entwurfes werden. Sie sind naturgemäß rau, tragen die Spuren der Zeit.
Im Gegensatz zu diesen Relikten werden perfekte, glatte Flächen gestellt. Spannung entsteht, die Schönheit der Materialien wird durch deren Unterschiedlichkeit hervorgehoben.
Verbindendes von Alt und Neu ist die helle Farbgebung aller Materialien.
Kern, also Innerstes der Wohnung ist ein Möbel, das sich entlang des Rundlaufs erstreckt, ein starkes, verbindendes Element der Räume. Fein, aus dunklem Holz gearbeitet, steht es im Kontrast zu den sonst hellen Materialien.
Skulptural und funktional, modern und ein wenig mondän.

 

 

BÖDEN
Vorgefundene Dielen werden weiß gekälkt, Fugen geschlossen, Beschädigungen bleiben erhalten. Hellgraue, große fiberglasverstärkte Betonplatten in zwei Farbqualitäten ergänzen die fehlenden Böden. Farbige Teppiche setzen Akzente auf den kühlen Bodenflächen.

WÄNDE
werden teils lasiert, teils weiß gestrichen, vereinzelt bleiben sie (als Zeitzeichen) vollständig unverändert. Neu verlegte Installationen (unter Putz) werden bestehende Strukturen verändern und überlagern. Wände, Decken und Böden gliedern Räume, ordnen auch Räume einander zu oder schaffen Verbindungen über Räume hinweg. Der Stuck, als Teil der Hülle wird von Farbschichten freigelegt und behandelt wie die Wände.

TÜREN
Die drei Türen aus der Bauzeit des Hauses werden aufgearbeitet und weiß matt gestrichen. Beschläge werden ggf. umgebaut. Neue weiße Schiebetüren sitzen in den schlanken Öffnungen des Gästezimmers und der neuen, großen Öffnung zwischen Balkonzimmer und Wohnraum. Geöffnet verschwinden sie bündig in dem großen Einbauschrank.

FENSTER
Die gut intakten Kastenfenster werden aufgearbeitet, Außenfensterbänke werden erneuert. Küche und Bad erhalten moderne Holzfenster. Diese haben größere Glasflächen und schmale Profile, nehmen trotzdem Bezüge zu den bestehenden Fenstern der Fassade auf.
Eine neue, große Öffnung zur Aufhellung des „Berliner Zimmers“ wird axial zur Eingangstüre in der Brandwand als Festverglasung angelegt.

VERSCHATTUNG
Eine Außenliegende Verschattung, wie es sie einmal gab, ist nicht vorgesehen. Stattdessen werden innenliegende Rollos oder raumhohe, wallende Vorhänge vorgesehen.

SCHRANK
Ein großer, die tragende Mittelwand umschlingende Einbauschrank ist bestimmendes Element der Wohnung. Aus den an ihn gestellten Anforderungen entsteht eine sehr lebendige, teilweise dynamische Skulptur. Brüche sind gewollt und notwendig, so dass der Schrank in jedem einzelnen Raum unterschiedlich wirkt. Asiatisches Streifenholz – Makassar – die Maserrichtung des Furniers horizontal, verleiht der Wohnung Einzigartigkeit.

RAUMKONTINUUM
Der Wohnraum hat zwei Bereiche, die durch die Oberflächengestaltung spürbar differenziert werden. Bezüge wie Eingangstüre – neues Fenster oder Tisch – Arbeitsfläche Küche (beides derbe Eiche) oder die Reihe Wohnraum – Schlafen 1 – Balkon schaffen subtile räumliche Situationen und machen diesen Raum zum Dreh- und Angelpunkt der Wohnung.

KÜCHE
Ein Multidesk ergänzt die streng funktional, einseitig organisierte Küche. Es ist verschieblich (auf Schienen, feststellbar) zwischen der Frühstücks- und der Barposition und vielfältig nutzbar. Mit Hockern oder auf der Bank (Lederkissen) vor dem Fenster lässt es sich daran sitzen. Tischbeine gibt es hier nicht. Ausstattung der Küche: Kühl/Gefrierschrank, Herd/Ofen, Abzugshaube Umluft, Spüle 100cm, Spülmaschine.

BAD
Wandflächen der Dusche, Wanne und Waschbecken unterhalb der freigelegten Wandbemalung im Bad werden mit großen Tafeln (wie Boden) bekleidet. Die Badkeramik und Armaturen werden weiß / chrom, klar in der Form und ohne Schnörkel, Dusche bekommt einen textilen Vorhang.

FLUR
Aus dem Flur wird ein Raum, angemessener Auftakt der Wohnung. Zwei Achsen: die eine beginnt mit der Eingangstüre, die andere endet im Unendlichen der Spiegelschrank-Garderobe.